Kein Platz für Jugendliche in Striesen ?

Die Ausgangslage

Dresden boomt, Dresden wächst. Die sächsische Landeshauptstadt ist nicht nur Geburtenhauptstadt Deutschland sondern als prosperierender Wirtschaftsstandort ein Magnet für zahlreiche Menschen aus Nah und Fern. Besonders Blasewitz mit seinen Stadtteilen – als SPD Ortsverein „unser“ Ortsamtsbereich – ist für Familien besonders attraktiv. Der Bedarf an Spielplätzen, Grünflächen und Räumen für Jugendkultur ist zweifellos da. Gleichzeitig sind Striesen und Blasewitz dicht bebaute und stark nachverdichtete Stadtteile mit hohem Bestands- und Denkmalschutz. Grundstücke, Platz und Gelegenheit für solche Freiräume gibt es deshalb kaum. Als SPD-Ortsverein Striesen-Blasewitz-Gruna geben wir uns mit diesem Zustand jedoch nicht ab. Wir stehen für lebens- und liebenswerte Stadtteile im Dresdner Osten: Familienfreundlich, aktiv für Jung und Alt, infrastrukturverträglich und nah an Menschen vor Ort.

Im August 2016 haben wir begonnen etwas zu verändern…

Die Idee

Die erste Spielplatzentwicklungskonzenption für die Landeshauptstadt Dresden aus dem Jahr 2011 offenbarte es und deren Fortschreibung von 2015 bestätigte es: Striesen und Blasewitz sind seit 2006 an Spielflächen unterversorgt. Mehr noch sind die Defizite für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 17 Jahren in diesen Stadtteilen am höchsten. Und verglichen mit anderen Ortsamtsgebieten zeigt sich der mit Abstand höchste Handlungsbedarf zum Abbau der Spielplatzdefizite.

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Die AG Spiel

Ausgehend von dieser Situation vor Ort, die Bevölkerungsentwicklung der Stadt vor Augen und in Anbetracht unserer Verantwortung, beschlossen wir zu handeln. Im Spätsommer 2016 gründeten engagierte Genoss*innen unseres Ortsvereins eine eigene Arbeitsgemeinschaft. Die „AG Spiel“ machte es sich zur Aufgabe gemeinsam mit unseren Nachbar*innen in Striesen und Blasewitz Ideen und Lösungsansätze für die Zukunft zu entwickeln…

Die Gespräche

Dabei war schnell klar, dass wir aus Konzepten und Studien allein nicht schlau werden. Vermeintliche Lösungen ohne die Menschen in Striesen und Blasewitz zu entwickeln ginge an der Realität vorbei – das war uns von Anfang an klar. Also machten sich unsere Genoss*innen der „AG Spiel“ auf, um zu tun was zum Rüstzeug von Sozialdemokrat*innen im Dresdner Osten gehört: Mit den Menschen reden.

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Die Umfrager

Am 21. August 2016 nachmittags kamen Christian Kreß und Martin Wunderlich im Herman-Seidel-Park mit jungen Familien, Senior*innen, Hundehalter*innen und Jugendlichen ins Gespräch. In Anbetracht der höchst defizitären Ausstattung mit Spielflächen im Blasewitzer Ortsamtsbereich ist dieser Park ein echter Hot-Spot. Aus Mangel an Alternativen ist der Herman-Seidel-Park extrem hochfrequentiert und wird von einer Vielzahl ganz unterschiedlicher Nutzer*innengruppen aufgesucht. Grund genug also für uns einmal nachzuhaken, wie denn der Park insgesamt gefällt und was sich ändern müsste.

Aus unseren Gesprächen wurde schnell deutlich, wie überaus groß die Zufriedenheit mit dieser grünen Oase ist. Nicht wenige unserer Gesprächspartner*innen machten aber auch deutlich, wie sehr das Fehlen von weiteren Spielflächen in der näheren Umgebung die eigene Freizeitgestaltung einschränkt. Auch was die Ausstattung des Herman-Seidel-Parks angeht gab es Gesprächsbedarf. Kinder ab 7 Jahren mit ihrem zunehmenden Bewegungsdrang finden zu wenig Raum. Jugendliche mit ihren ganz eigenen Bedarfen hingegen finden keine eigenen Rückzugsmöglichkeiten. Das wiederum führt zu Konflikten mit Familien. Was also tun…?

Der Ansatz

Mit diesen ersten Eindrücken im Gepäck nahmen wir Kontakt zur „Stadtteilrunde Blasewitz“ auf. Diese ist der Zusammenschluss aller im sozialen Bereich für Kinder und Jugendliche tätigen Träger, von Ämtern und zukünftig politischen Entscheidungsträger*innen, wie z.B. Ortsbeiräte. Bei einem gemeinsamen Treffen am 21. September 2016 bestätigte die Stadtteilrunde unsere ersten subjektiven Eindrücke. In einhelliger Übereinstimmung mit der Spielplatzkonzeptionsplanung, dem Dresdner Sportstättenplan und des Plans des Schulverwaltungsamtes zur Öffnung von Spielflächen, sehen die Akteur*innen große Bedarfe vor allem in Blasewitz, Neu-Gruna und Striesen Ost.

Aufgrund der jahrelangen Erfahrung der Beteiligten war der Befund einhellig: Im dicht bebauten und hohem Bestandsschutz an der Bausubstanz bedachten Blasewitz und Striesen sind keine neuen Flächen für Spielräume zu erschließen. Einzig praktikable Lösungen würden Erweiterungen der wenigen bestehenden Parks und Verkehrsberuhigungen bieten. Mit diesen Einblicken und neuen Verbündeten ging unsere „AG Spiel“ in die Winterpause…

Der neue Schwung

Bis zum Frühjahr 2017 tat sich eine Menge: Wir verstärkten unsere Arbeitsgemeinschaft mit Stefan Lux und Anna-Carolina Bache um weitere engagierte Genoss*innen. Wir knüpften Kontakte zur zuständigen Ortsamtsleiterin und ihrem Büro und bauten die Verbindungen zur Stadtteilrunde Blasewitz aus. In diesem Zuge gelang es uns die Diplom-Ingenieurin Konstanze Koop mit ins Boot zu holen. Als Landschaftsarchitektin prägte Sie mit Blick auf Striesen den Begriff „Spielräume“, den auch wir uns bald zu Eigen machten. Dieses stetig enger werdende Netzwerk aus unterschiedlichen Gruppen verband nunmehr ein Gedanke: Mit den Menschen vor Ort Lösungen für die Menschen vor Ort zu entwickeln, damit Blasewitz und Striesen mit Blick auf seine Kinder und Jugendliche nicht länger als defizitärere und an Spielräumen unterversorgte Stadtteile gelten müssen.

Am 22. April 2017 wiederholten engagierte SPD-Mitglieder aus unserem Ortsverein die Befragung aus dem vorangegangenen Jahr. Dieses Mal wurden gezielt Jugendliche im Waldpark angesprochen, um ihre spezifischen Sichtweisen zu erfragen. Wie sollte es nun weitergehen? Wir haben ein Netzwerk aus vielen Akteur*innen mit einem gemeinsamen Interesse aufgebaut. Wir haben die Idee der Spielräume für Striesen und Blasewitz immer konkreter werden lassen. Was fehlte war ein Grundstück…

Das Grundstück

Nach gemeinsamer Sichtung der Bebauungspläne mit der Ortsamtsleiterin fiel unser Augenmerk auf ein Gelände an der Teutoburger Straße/Ecke Spenerstraße. Dort befinden sich bereits ein Spielplatz, eine alte Turnhalle und viel Wiese und alte Parkplätze. Sollten sich hier im dicht bebauten Striesen doch Möglichkeiten für Freiräume eröffnen? Je tiefer wir uns im ständigen Austausch mit unseren Mitstreiter*innen in das Gebiet einarbeiteten, desto konkreter wurde unsere Projektidee. Nach weiteren Gesprächen mit der Ortsamtsleitung im Sommer 2017 stand fest: Das Gelände mit der kleinen Ziffer 90A ist im Dresdner Bebauungsplanverzeichnet und in städtischer Hand! Unsere Unterstützer*innen der Stadtteilrunde Blasewitz bewerteten das Gelände zudem als sehr gut geeignet für die Entwicklung von Freiraum für Jugendliche.

Als geschützte Gemeinschaftsfläche ausgewiesen bot sich für dieses Areal nun die Gelegenheit mit guter sozialdemokratischer Kommunalpolitik eine klare Verbesserung der Lebensqualität für einen unserer Stadtteile zu erwirken. Damit war uns im Ortsverein klar: Dieses Projekt muss in einem Stadtratsantrag aufgehen. Denn nur so haben wir die Möglichkeit unsere guten Ideen auch in konkrete Politik umzusetzen…

Der Plan

Die Sommerpause und der kräftezehrende Bundestagswahlkampf bremsten einmal mehr unser Projekt aus – zum Stillstand kam es jedoch nicht! Denn bis zum Jahresende konnten wir unseren Fahrplan präzisieren. Einerseits ging es nun darum am passenden Antrag für den Stadtrat zu arbeiten und dabei Tuchfühlung zur Umweltbürgermeisterin und dem Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft aufzunehmen. Andererseits durften die inhaltlichen Planungen nicht stillstehen. Als SPD-Ortsverein Striesen-Blasewitz-Gruna war uns schließlich von Beginn an ein partizipativer Prozess wichtig. Deshalb nahmen wir Kontakt zu Streetworkern und Initiativen vor Ort, wie z.B. dem „Roten Baum“ und dem Projekt „Sofa9“, auf.

Unser Ortsverein stand voll und ganz hinter dem Projekt, mit Frau Koop hatten wir bereits eine versierte Landschaftsarchitektin an Bord und der Kontakt zu Streetworkern wurde allmählich aufgebaut und die Sichtweise von Jugendlichen sollte Stück für Stück mit eingebunden werden. Parallel dazu führten unsere engagierten Genoss*innen aus der AG Spiel am 24. November 2017 Gespräche mit Dresdens Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen. Im neuen Jahr gingen unsere Planungen munter weiter und ein Termin folgte dem nächsten. Am 06. Februar 2018 bekamen wir einen Termin beim Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft. Mit dabei waren auch der Eigenbetrieb Sportstätten und Mitglieder unserer Stadtratsfraktion, mit denen wir in enger Abstimmung den gemeinsamen Antrag vorantrieben.

Aus all diesen Beratungen kristallisierte sich schließlich heraus, dass das Gelände an der Teutoburger Straße/Ecke Spenerstraße sowohl kurzfristig als auch langfristig als Spielfläche für Jugendliche bzw. Raum für Jugendkultur genutzt werden kann. Schon heute können beispielsweise Angebote auf den Außenanlagen realisiert werden. Denkbar sind z.B. Graffitiwände oder ein Besprühen der Außenwände der Halle sowie Sportgeräte und die Gestaltung des Untergrundes, Stadtmobiliar, Regenschutz, etc.

Das (vorläufige) Ergebnis

Ohne Moos nix los – diese Binsenweisheit gilt besonders in der Kommunalpolitik. Wenn wir also nach fast zweijähriger Planung ein Projekt für Spielräume und Jugendkultur in die Tat umsetzen wollen, dann muss mit Blick auf den Ende 2018 zu beschließenden Doppelhaushalt 2019/2020 der Stadt Dresden vor allem die Finanzierung stehen. Nun gilt es Finanzbedarfe zu formulieren, einen Prüfauftrag für das auserkorene Gelände zu formulieren, damit die Verwaltung den Ressourcenbedarf und ein Umsetzungskonzept für kurzfristige Maßnahmen darstellen soll und langfristig eine Planung für die Zeit nach der heutigen Sportnutzung entwickeln soll. Gerade hierbei stehen wir in ständigem Austausch mit unseren Stadträten und den Genoss*innen unserer Stadtratsfraktion.

Wie wird die Sache wohl ausgehen? Wird der Dresdner Stadtrat unserem Antrag zustimmen und damit die Schaffung von Spielräumen und Räumen der Jugendkultur in unserem Ortsamtsgebiet ermöglichen?

Nach zwei Jahren sind wir fast am Ziel. Von der losen Idee zum konkreten Stadtratsantrag ist es ein langer Weg. Diesen als SPD-Ortsverein Striesen-Blasewitz-Gruna mit vielen engagierten Menschen aus der Nachbarschaft zu gehen ist eine Freude, eine Ehre und große Bereicherung. Denn sich um die Lebensqualität im Quartier zu kümmern und diese konkret verbessern zu wollen, ist eine Aufgabe der wir als Sozialdemokrat*innen in Striesen, Blasewitz und Gruna mit Freude nachkommen. Hier vor Ort können wir unseren Mitmenschen zeigen, dass sozialdemokratische Politik wirkt.

 

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